
Der letzte Jude von Winniza (“The Last Jew in Vinnitsa”) ist eine der bekanntesten und erschütterndsten Fotografien des Holocaust, die die systematische Ermordung von Juden durch die Einsatzgruppen der Nationalsozialisten in Osteuropa dokumentiert.
Das Foto entstand vermutlich 1941 in Winniza (Vinnytsia), einer Stadt in der heutigen Ukraine, während der deutschen Besatzung nach dem Überfall auf die Sowjetunion. Es zeigt einen deutschen Soldaten einer Einsatzgruppe, der einen knienden jüdischen Mann am Rand einer Grube erschießt, die bereits mit den Leichen zuvor Ermordeter gefüllt ist. Solche Massenerschießungen waren die Methode, mit der die Einsatzgruppen – mobile Todesschwadronen, die der Wehrmacht folgten – Hunderttausende Juden, Roma und andere Zivilisten in den besetzten Gebieten Osteuropas ermordeten, noch bevor die systematischere Vernichtung in Lagern wie Auschwitz voll etabliert war.
Der Titel stammt von einer handschriftlichen Notiz auf der Rückseite des Originalfotos: “Letztes Judenaus Winniza” (mit Rechtschreibfehlern im Original). Das Foto wurde vermutlich von einem der Täter selbst als eine Art makabres “Andenken” mitgeführt.
Das Foto tauchte nach dem Krieg auf und wurde später zu einem der zentralen Bilddokumente, die zur Aufklärung über den sogenannten “Holocaust durch Kugeln” (Holocaust by Bullets) beitrugen – ein Begriff, der von dem Historiker Pater Patrick Desbois geprägt wurde, um die oft weniger bekannten Massenerschießungen der Einsatzgruppen von der industrialisierten Vernichtung in den Lagern zu unterscheiden.
Das Bild gilt heute als eines der eindringlichsten fotografischen Zeugnisse des Holocaust überhaupt – gerade weil es den Moment der Tat selbst zeigt, nicht nur ihre Folgen. Es wird häufig in Ausstellungen, Gedenkstätten und im Geschichtsunterricht verwendet, um die systematische, kaltblütige Natur der NS-Vernichtungspolitik zu verdeutlichen.